{Rezension} Das kleine Café in Kopenhagen (Julie Caplin)

Darum geht´s: 

Kate arbeitet für eine der Top-Marketing-Firmen in London und ist sich sicher, dass sie endlich befördert wird. Doch wie es immer wieder so kommt: Nicht sie wird befördert, sondern der Pappnasen-Kollege, der sich halt besser verkaufen kann. Und mit dem Kate dummerweise eine kurze Affäre hatte. Als kurzfristig eine Anfrage eines dänischen Kunden reinkommt, der gerne in London ein dänisches Kaufhaus eröffnen will, übergibt man Kate den Auftrag – und geht davon aus, dass sie Lars nicht überzeugen kann. Hat er doch schon alle anderen Marketing-Firmen in London durch, weil sie das Prinzip von Hygge nicht verstanden haben. Kate hat zwar nicht wirklich Ahnung von Hygge, kann mit ihren wenigen Kenntnissen jedoch Lars davon überzeugen, dass sie die richtige für den Job ist. Sie soll eine Pressereise nach Kopenhagen organisieren, auf der die Journalisten Einblicke in Hygge und das dänische Lebensgefühl bekommen, und herausfinden sollen, warum die Dänen die glücklichsten Menschen sind. Vier Journalisten hat Kate schnell zusammen, Nummer fünf ist etwas zickig, aber schließlich zwangsweise auch mit an Bord. Doch Ben ist völlig davon überzeugt, das Hygge nur eine Marketing-Erfindung der Dänen ist, um mehr Umsatz zu machen. Doch in Kopenhagen können sich alle Journalisten – einschließlich Ben – der Freundlichkeit der Dänen, ihrem Lebensstil und Hygge nicht entziehen. Für jeden Teilnehmenden ist diese Reise lebensverändernd…

So hat´s mir gefallen:

Zugegeben, teilweise liest sich die Geschichte wie vom dänischen Tourismusverband gesponsert. Das positive Lebensgefühl und die positiven Informationen über Dänemark werden ausgebreitet wie rosa Zuckerguss auf einen Cupcake. Aber das gehört natürlich zum Setting und ist für die Geschichte notwendig. Und die Dänen gelten ja nun mal als das glücklichste Volk der Welt (abwechselnd mit den anderen skandinavischen Ländern). Und da gilt es natürlich dieses Glück auch zu präsentieren und aufzuzeigen wie es dazu kommt. Allerdings finde ich schon, dass man merkt, dass es sich um eine Aussensicht der Autorin handelt, ich hatte beim Lesen nicht das Gefühl, dass sie Hygge bei einem längeren Aufenthalt wirklich erlebt hat. 

Ansonsten ist es eine klassische Liebesgeschichte zwischen einer jungen, etwas mit sich selbst unsicheren Frau, die noch auf dem Weg ist ihre wirkliche Berufung zu finden, und dem auf den ersten Blick grimmigen Bad Guy in Gestalt des Journalisten. Natürlich ist von Anfang an klar wie die Geschichte ausgeht und dass bis dahin noch einige Hürden zu nehmen sind. Aber das tut dem Lesespaß keinen Abbruch. Es ist sehr süß zu sehen wie sich die Liebesgeschichte von Kate und Ben langsam entwickelt und Ben immer mehr sein wahres, nettes, Gesicht zeigt. 

Die Figuren sind alle toll ausgearbeitet und haben alle ihre Macken und Brüche. Was auf den ersten Blick nach einer perfekten, erfolgreichen Fassade aussieht, bröckelt in der Woche in Kopenhagen doch gewaltig und Eva, Lars´ Mutter und Inhaberin des Café Varme (das Namens gebende Café), ist nicht untätig die wahren Persönlichkeiten hinter den Fassaden hervorzukitzeln. Sie ist geradezu eine Meisterin im Erkennen von Wahrheiten und scheint fast einen siebten Sinn zu haben, so treffsicher kann sie die Probleme jeden einzelnen erkennen. 

Eva und Avril waren mir dann auch die liebsten Figuren. Ben war spannend gestaltet, weil er wirklich eine Entwicklung zeigt. Kate war mir zwar sympathisch, aber irgendwie auch ein bisschen nichts sagend. Sie soll zwar als toughe, starke Frau dem Leser erscheinen, aber im Endefekt schafft sie keine der Situationen ohne dass Ben sie rettet. Die vielen kleinen KAthastrophen, die sich aus den teils egoistischen, teils chaotischen Verhaltensweisen der Journalisten ergeben, machten dann auch die Spannung des Buches aus, denn man möchte natürlich schon gern wissen wie es weitergeht und was als nächstes passiert, und was noch alles geschehen muss, damit Ben und Kate endlich glücklich werden. 

Als Kates Firma den Pappnasen-Kollegen zur Beaufsichtigung schickt, weil Kate anscheinend mit der Gruppe überfordert ist (das schließt ihre Chefin aus den kleinen und großen Pannen), wird die Geschichte dann sehr süß und an manchen Stellen auch ein wenig albern. Denn plötzlich sieht man, dass die Woche in Kopenhagen aus Fremden Freunde gemacht hat. Alle Journalisten versuchen Kate zu helfen und sie als besonders kompetent zu präsentieren. 

Dass Kate ihre Karriere wichtig ist und sie was erreichen will, kann ich nachvollziehen, aber es wird mir ein bisschen zu häufig als Grund angeführt, dass sie deswegen nicht bereit ist für eine Beziehung sich auf niemanden einlassen kann. Das war mir als Argument etwas zu schwach. Zumal sie mit ihrem Job und ihrem Leben eigentlich gar nicht zufrieden ist. Anfangs ist für sie das Prinzip Hygge nur eine Möglichkeit zu zeigen, dass sie in ihrem Job gut ist, doch die Woche in Kopenhagen verändert sie und ihren Blick aufs Leben. Und dank Hygge ist sie dann bereit endlich aufzuräumen und nach vorne zu sehen.

Was mir beim Lesen aufgefallen ist, dass erstaunlich viele Rechtschreibfehler noch im Text waren. Einerseits fand ich es schade, dass keine dänischen Rezepte im Anhang zu finden sind (ist ja grade voll im Trend), andererseits war es auch ganz angenehm, dass man sich dem Hype widersetzt hat. Wer jetzt wissen will, was genau hinter Hygge steht, dem empfehle ich das Buch „Hygge“ vom Leiter des Glücksforschungsinstituts zu lesen. Denn Hygge ist mehr als Kuscheldecke und Kerzenlicht. Oder eine längere Reise nach Skandinavien.

Ich selbst hab beim Lesen gemerkt, dass mir selbst Hygge in letzter Zeit abhanden gekommen ist. Daher werde ich ab sofort wieder mehr drauf achten es mit hyggelig zu machen. Vielen lieben Dank für das Buch, det var det fint å lese boken! Und jetzt möchte ich bitte sofort (!) ein Café wie das Varme in der Nähe haben!