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Darum geht´s:

Aufregung liegt in der Luft! Das ehemalige Kloster Eberbach wird erneut zur Filmkulisse. Der bekannte Regisseur Ecki Winterstein möchte der ein Dokudrama umsetzen, das die Zeit umfasst, in der im Kloster eine psychiatrische Anstalt untergebracht war.

Nach einem Mord beauftragt Ecki die Privatdetektivin und ehemalige Polizistin Norma Tann mit der Sicherung der Dreharbeiten. Auf der Suche nach dem Täter kommt sie einem Verbrechen auf die Spur, das stattfand, als 1985 das Kloster Drehort für den Kinowelterfolg „Der Name der Rose“ war. Hängen die beiden Dreharbeiten und die Verbrechen zusammen? Norma Tann ermittelt beim Mord im Kloster Eberbach …

So hat es mir gefallen:

„Mord im Kloster Eberbach“ ist mein zweiter Norma-Tann-Krimi, den ich gelesen habe. Die Reihe ist eine gemütliche Krimireihe, die ich in den Bereich „Cozy crime“ einstufen würde. Die einzelnen Fälle sind gut komponierte Krimigeschichten, die spannend geschrieben sind, aber die uns kein Herzrasen bescheren. Leser:innen, denen hard-boiled-Krimis oder Thriller zu viel Spannung bringen, sind hier auf jeden Fall gut aufgehoben. Und das meine ich völlig positiv. Ich lese selbst gerne cozy Crimes, vor allem englische und skandinavische.

In dieser Geschichte erleben wir den Plot aus der Sicht der Hauptfigur Norma Tann und haben so als Leser:in fast immer denselben Wissensbereich, den auch Norma hat. So ist man selbst Teil der Ermittlungen und kann eigene Ermittlungsgedanken anstellen. Wir bekommen so einen Einblick in eine professionelles Filmset und entdecken die teils skurrilen Persönlichkeiten des Filmteams. Wir spüren die Beziehungen und Animositäten und können so selbst auch Hinweise finden, wie das Filmteam agiert und ob es dort eventuell Verbindungen zum aktuellen oder alten Fall gibt.

Das Kloster Eberbach und die Tatsache, dass hier bereits in den 1980er Jahren ein Film gedreht wurden, sind der Schauplatz und quasi die Bühne, auf der der aktuelle Fall spielt. Die weitläufige Anlage des ehemaligen Klosters und die vielfältigen Aufgaben, die dort heute untergebracht sind, bieten die Kulisse für die verschiedenen Tatorte.

Susanne Kronenberg zeigt die Ermittlerin Norma Tann als scharfsinnige, unabhängige und emphatische Person, die nach und nach tiefer eintaucht und den Geheimnissen auf die Spur kommt. Hierbei helfen ihr einerseits ihre Neugier und ihre Kombinationsgabe, andererseits auch die guten Kontakte zu ihren ehemaligen Polizeikollegen.

Geschickt gelingt es der Autorin die beiden Verbrechen und Drehzeiten miteinander zu verbinden und so zu einem großen Teppich zu verweben. Und so können wir als Leser:innen auch nach und nach in die Vergangenheit der Hauptfiguren vordringen.

Einige Figuren blieben für mich trotzdem ein bisschen flach, was aber dem Lesespaß keinen Abbruch tut.

In gemächlichem Tempo kommen wir immer näher an die Auflösung, die ich sehr clever komponiert fand. Ich hatte zwar den Täter schon früh im Verdacht, aber nicht so wie sich der Fall dann auflöste.

Historisches zum Kloster Eberbach:

Das Kloster Eberbach wurde im 12. Jahrhundert als Augustiner-Chorherrenstift gegründet und ging 1131 an die Benediktiner über. Bereits 5 Jahre später kam es zu einem erneuten Wechsel: Das berühmte Zisterzienserkloster Clairvaux gründete an diesem Ort ein Tochterkloster, das zu einer der erfolgreichsten Gründungen des Ordens auf rechtsrheinischer Seite wurde.

Nutze der Konvent anfangs noch die schon vorhandenen Gebäudeteile, erfolgten um 1170 Um- und Neubauten, vor allem der Abteikirche. Der Erzbischof von Mainz weihte 1186 die Kirche, 1332 erhielt das Kloster die Reliquien des hl. Bernhard von Clairvaux. In den Zeiten des Bauernkrieges kam es einerseits zu baulichen Anpassungen, aber auch zu Plünderungen – das 71.000 Liter fassende Weinfass wurde z.B. geleert. Immer wieder fand sich das Kloster in kriegerischen Auseinandersetzungen wieder, geplündert, wurde teilweise zerstört und aufgebaut. Ab 1704 kam es dann zur barocken Umgestaltung der Gebäude, bevor das Kloster 1803 im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses formell schließen musste. Während das Klosterinventar verkauft oder vernichtet wurde, wandelte man Teile der Klostergebäude in eine psychiatrische Anstalt um. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das ehemalige Kloster ans Land Hessen über und war 1985 Drehort für die Innenaufnahmen der Verfilmung „Der Name der Rose“. Heute hat das Kloster vielfältige Nutzungen, neben Führungen und Weinproben, gibt es auch ein Hotel und Gastronomie zu entdecken.

www.kloster-eberbach.de

Zusammenfassung „Der Name der Rose“:

Der italienische Schriftsteller und Wissenschaftler Umberto Eco veröffentlichte 1980 seinen Roman „Il nome della rosa“, der 1982 auf Deutsch erschien (Übersetzung Burkhart Kroeber). Der Schauplatz ist eine Benediktinerabtei in Norditalien im Jahre 1327. Neben einem Porträt der Epoche und des Klosterlebens entwirft Eco in dieser Geschichte auch einen Kriminalroman. Die Verfilmung kam 1986 ins Kino – Regisseur war Jean-Jacques Annaud, der Hauptdarsteller der bekannte Sean Connery. „Der Name der Rose“ ist seitdem als Hörspiel, Graphic Novel und Theaterstück rezipiert worden, das Buch ist auch immer wieder Gegenstand von Dissertationen und weiteren Forschungen.

Die Handlung des Romans wird aus Sicht des jungen Davon von Melk erzählt, der als Begleiter des Franziskaners William von Baskerville in diese Benediktinerabtei kommt. Der Grund der Reise ist ein Treffen des Franziskanerordens mit einer Gesandtschaft des Papstes Johannes XXII. Der Abt des Klosters bittet William von Baskerville einen mysteriösen Todesfall aus dem Kloster aufzuklären. Wie immer bei Krimis bleibt es nicht bei diesem einen Toten und die beiden Ermittler haben alle Hände voll zu tun den Täter zu entdecken.

Susanne Kronenberg: Mord im Kloster Eberbach | Kriminalroman | Gmeiner Verlag | Taschenbuch | ISBN: 978-3-8392-2843-2 | 13€

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