Dolce Vita für Fortgeschrittene (Dori Mellina)

Dori Mellina | Dolce Vita für Fortgeschrittene |

Unterhaltung | Randomhouse-btb |

Mai 2017 | 320 Seiten

Exil-Italienerin hat sich gut eingerichtet in ihrem Leben. Mit Lebenspartner Martin und Tochter Sara lebt sie in München und arbeitet in der Pharmaindustrie. Doch irgendwas fehlt ihr und mit Martin klappt´s grade auch nicht mehr so ganz. Die vermutlich nett gemeinten Hinweise auf Papptafeln treiben die temperamentvolle Laura zur Weißglut und sie beginnt ihr Leben in Frage zu stellen. War es wirklich so eine gute Idee eine Beziehung mit Martin einzugehen? Und soll sie ihn lieber verlassen? Aber was passiert dann mit Sara? Und der Nonna muss man das ja auch irgendwie erklären. Obwohl, die macht grade mal wieder ganz eigene Probleme mit dem Nonno durch, denn der ist plötzlich verschwunden. Außerdem heiratet Nichte Rachele – welche Schande, dass Laura noch nicht verheiratet ist! Also, der Nonna lieber die Probleme mit Martin verschweigen und stattdessen mit den Freundinnen Pläne schmieden. Die so entstandene Agentur für Italien-Klischees läuft bestens an und plötzlich tritt Ale, ein smarter und gutaussehender Halbitaliener in Lauras Leben. Und der versteht sie doch viel besser als Martin, oder?!

 

Die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Laura zieht den Leser sofort ins turbulente italienisch-deutsche Leben der Protagonistin. Man versteht ihre Probleme mit dem etwas steifen deutschen Partner, hört förmlich die Oma über die Alpen keifen, dass Laura ein Lotterleben führt, träumt mit Sara und ist sogleich Teil der Mädelsclique. Die kommt eines Abends auf die Idee den Deutschen das zu geben, was sie wollen: Italien-Klischees! Und diese Schnapsidee klappt so gut, dass die Mädels bald ausgebucht sind. Ein Italiener möchte seine Bar auf Vordermann bringen, während Fernando seinen deutschen Bald-Schwiegersohn Kurt testen will. Und dann umschwirrt auch noch der geheimnisvolle und sexy Ale die Protagonistin, die bei ihrer Freundin Ileana Zuflucht vor ihrem privaten Chaos sucht. Alles in allem ist man sofort drin in der turbulenten, lockeren Sommerlektüre, die man in einem Rutsch durchlesen kann und die immer wieder zum Schmunzeln anregt. Die Autorin spielt gekonnt mit den Klischees und Vorstellungen beider Kulturen, sodass es niemals platt oder langweilig wird. Man merkt, dass sie selbst in beiden Kulturen Zuhause ist und so spürt man auch die Liebe für Deutschland und Italien. Kaputtgelacht habe ich mich bei den Schilderungen aus der Pharmafirma und zu Tränen gerührt war ich, als am Ende ausgerechnet Martin ein Familienchaos jenseits der Alpen lösen kann. Wobei ich finde, dass das Ende fast ein bisschen zu schnell ging. Plötzlich war alles wieder gut. Auch dass Ale so wenig Raum bekommen hat, tat mir leid für ihn. Der Autorin gelingt es durch den lockenflockigen Schreibstil, der gut zum Klischee der chaotischen Hauptfigur passt, einen durch das Buch zu leiten. Die Geschichte ist in einem schnellen Tempo erzählt, springt immer wieder zwischen Erinnerungen und Geschichte, wird dadurch aber unglaublich lebendig, man ist als Leser direkt dabei. Für den Leser, der des Italienischen nicht mächtig ist, werden die italienischen Sätze in Fußnoten erläutert und übersetzt, aber auch wenn man kein Italienisch kann, kann man der Geschichte gut folgen.

Wer eine unterhaltsame, lockere Sommerlektüre sucht, bei der gelacht werden darf, die die Feindschaft und die Liebe preist und die mit Augenzwinkern auf kulturelle Eigenheiten schaut, der ist mit diesem Buch auf jeden Fall gut beraten. Schnappt euch den Iced Latte Macchiato oder den Eistee, setzt euch auf den Balkon oder in die Hängematte und lasst euch nach München und Italien entführen. Viel Spaß dabei!

 

 

 

 



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