{Seegeplauder} mit Anni Bürkl (Autorin, Journalistin, Lektorin)

Heute gibt es einen neuen Beitrag in der Rubrik „Seegeplauder“, meinem virtuellen Freundschaftsbuch. Diese Rubrik möchte ich gern in der nächsten Zeit wieder häufiger bespielen, denn es gibt so viele spannende und interessante Persönlichkeiten da draußen, die ich euch gerne vorstellen möchte. Und so viele Lebenswege und Sichtweisen, Berufe und Berufungen zu entdecken. Heute ist bei mir die Autorin Anni Bürkl aus Wien, die unter anderem die Krimiromane um Berenike und ihren Teesalon veröffentlicht. Alle Infos zu Anni findet ihr auf ihrer Internetseite www.annibuerkl.at

Also nehmt euch einen Tee und lest ihre interessanten Antworten auf meine Fragen. Liebe Anni, vielen lieben Dank, dass du beim „Seegeplauder“ mitgemacht hast!

 

Persönliches

Name oder Pseudonym: Anni Bürkl

Geburtstag (das Jahr darf weggelassen werden ☺): 20. Juni

Augenfarbe: grün

Was ist das Besondere an deinem/deinen Beruf/Berufen: dass ich das geschriebene Wort so sehr liebe und alles damit zu tun hat.

Als Kind wolltest du … Lehrerin werden. Heute unterrichte ich Schreiben in Workshops (zB. Romanwerkstatt – siehe auch www.einbuchschreiben.at )

Worüber kannst du lachen? Über die absurdesten Situationen, die das Leben so bringt.

Was kannst du überhaupt nicht leiden? 

Lärm – va. Baustellenlärm, in dem wir in Wien irgendwie ständig leben, weil so viel saniert, aufgewertet etc. wird – war auch Stoff für meinen Kriminalroman „Häusermord“. 

Dummheit – jeder kann klüger werden, wenn er sich bemüht, liest, auch außerhalb des Üblichen (also zB. Was Anderes als Boulevardzeitungen)

die Zerstörung der Natur und wie wir Menschen mit Tieren umgehen. Das ist einfach nur brutal, grausam und sehr kurzsichtig – es gibt keinen Planet B.

 

Interessantes

Welche/n Romanheld/in würdest du gern mal treffen und warum? Miss Marple – wen sonst? 😉

Welche (magische) Begabung hättest du gern? Das klingt nach Dorian Gray, aber ich wär gern bei meinem 30er stehengeblieben.

Auch gern zaubern würde ich, um Menschen einsichtiger zu machen.

Die besten Ideen kommen mir bei … Bewegung, va. Spazierengehen allein, in der Natur, das ist va. In der warmen Jahreszeit super, weil ich mich da auf eine Bank setzen kann oder ans Flussufer nach dem Schwimmen und los schreiben/brainstormen kann. Ich schreibe liebend gern mit der Hand, tue es aber nicht so oft, weil ich so faul bin, was das Abtippen betrifft. Vielleicht sollte ich mich da aber angesichts der Nackenschmerzen entspannen und das Abtippen als 1. überarbeitung sehen. Und wenn es kapitelweise geschieht, würde es ja auch nicht so lange dauern, dh., kleinweise vor sich gehen.

 

Zehn Fragen an Anni Bürkl…

 Du arbeitest unter anderem als Krimiautorin. Welche Eigenschaften braucht man als Krimiautorin deiner Meinung nach unbedingt?

Sitzfleisch ;-), das braucht aber jede Autorin, weil ein Roman doch monatelang geschrieben werden will. 

Speziell als Krimiautorin braucht man meiner Meinung nach Interesse an Gerechtigkeit, die ja das Buch am Ende wieder herstellen soll, Interesse aber auch an den Abgründen des Menschen. Warum töten Menschen andere Menschen? Damit muss man sich auseinander setzen können. Das muss man irgendwie aushalten, obwohl es ja nicht einmal reale Morde sind, der Tod findet in echt nicht statt. Dennoch lassen die Abgründe, in die man da blickt, mitunter schaudern. Ich glaube, ich halte das im Vergleich zu anderen relativ gut aus – und trotzdem haut mich manches noch vom Hocker. Ich bin übrigens der festen Überzeugung, dass jeder Mensch zu einem Mord fähig ist, die Bedingungen, dass diese Seite ausbricht, sind nur bei jedem Menschen anders – und zum Glück bricht sich das dann auch nur bei den wenigsten aus.

 

Gibst du gerne Lesungen? Wenn ja, warum?

Ja, sogar sehr gern – ich lese nur zum Teil, ein oft größerer Teil der Zeit sind Gespräche/Interaktion mit dem Publikum, ich erzähle über das Entstehen der Geschichte oder Anekdoten vom Schreiben und Recherchieren. Ich veranstalte auch immer wieder ein Krimifrühstück mit einer Kollegin, sodass wir dann uns dann im Duo präsentieren – meist zu einem bestimmten Thema wie zB. Warum wir Regiokrimis lieben.

 

 Wie sieht deine ideale Schreibumgebung aus? 

Meine Ideen suche ich sehr gern draußen in der Natur – an einem Gewässer wie bei mir in Wien an der Alten Donau, in einem blühenden Park im Frühjahr, … wenn ich am Computer arbeite, hab ich gern einen Ausblick hinaus, ich möchte nicht vor einer Wand oder in einer engen Ecke sitzen, aus der ich kaum was sehe. Den Blick in die Ferne wandern lassen, tut mir gut. Auch Cafes eignen sich in manchen Situationen gut, und die fremden Leute stören mich gar nicht, das ist so ein Hintergrundrauschen, mehr nicht. Ich schreibe auch mitunter gemeinsam mit Kolleginnen im Cafe oder auf Schreibauszeiten irgendwo, wohin auch immer wir dann reisen. Das Schöne daran sind dann noch die Abende, an denen man gemeinsam nach dem Schreiben runter kommen kann, bei Essen und einem Bier (oder zwei). Ich könnte mich auch Texte und Bier statt Texte und Tee nennen. 😉

 

Was brauchst du unbedingt um schreiben zu können?

(Relative) Ruhe – Anquatschen ist schwierig, das bringt mich raus. Ich brauche auch mehr als nur eine halbe Stunde, um erst einmal rein zu kommen. Eine Tasse Tee. Und am bestne schreibe ich am Morgen, dh., als erste Tat nach dem Frühstück. Da ist mein Kopf noch unverbraucht.

 

Du bist Freiberuflerin. Welche Tipps hast du für Leute, die überlegen freiberuflich im künstlerischen/kulturellen Bereich tätig zu werden?

Ganz ehrlich? Eine Absicherung/einen Job, der dich ernährt – zumindest die Basis. Ich arbeite liebend gern freiberuflich, aber mitunter ist der Stress – zeitlich und ob finanziell genug reinkommt – der Kreativität abträglich. Durchhaltevermögen, bis man von etwas leben kann.  Gezieltes Arbeiten lernen, statt Prokrastination. dh., sich auf etwas konzentrieren. Und: Eigenmarketing – das ist ganz besonders am Anfang eine wichtige Aufgabe!

 

Du bist bekennende Teetrinkerin, deine Hauptfigur Berenike betreibt einen Teesalon. Welcher Tee ist deine Lieblingssorte?

Earl Grey – dann gibt es noch Scottish Breakfast und China Rose, die mag ich auch sehr gern. Zu den 3 kehre ich immer wieder zurück.

 

Hast du ein Tee-trink-Ritual?

Ich trinke schwarzen Tee zum Frühstück und abends Kräutertee.

 

Wie kamst du auf die Idee deiner Ermittlerin einen Teesalon zu geben? 

In Altaussee, wo wir immer wieder Ferien machten, würde sich soein Lokal gut machen. Das Wetter im Salzkammergut ist berühmt-berüchtigt für seine schnellen Wechsel – Regen, Sonne, Regen. Da täte ein wirklich gutes Teelokal gut!

 

Wie würdest du deine Hauptfigur Berenike beschreiben? Würdet ihr euch gut verstehen bzw. wärt ihr befreundet?

Wir würden zusammen Tee trinken und fachsimpeln. 🙂

 

Auf Twitter bist du sehr aktiv und postest immer wieder auch politische Tweets. Was macht dir zur Zeit große Sorgen und was müsste man deiner Meinung nach zur Zeit politisch ändern, um die Welt besser zu machen? 

Ich bin mir oft unsicher, ob ich zu viel Politisches poste – aber dann: hat man eine Wahl? Es ist unser aller Verantwortung, wie es mit unserer Lebenswelt weitergeht. Wollen wir in einer Scheindemokratie leben, in der BürgerInnenrechte abgeschafft werden? In der Menschen zur Armut verdonnert werden, wie früher, auf Generationen hinaus?

Ich glaub nicht, dass wir das wollen – das kann doch niemand guten Gewissens wünschen.

Bildung täte hier so sehr not – damit Menschen mitdenken können, können selbst erkennen, was vor sich geht.

Bildung ist das Um und Auf, damit Menschen nicht auf Blender hereinfallen.

Dazu gehört Medienbildung – einschätzen lernen, was da so abgeht, dass nicht alles wahr ist, „weil es in der Zeitung steht“. Erkennen können, was nur behauptet wird, und was belegt ist. Die Wenigsten wissen, was Quellen sind und wie sie korrekte Quellen erkennen können.