Warum ich ein eigenes Büroatelier habe – Freiberuflichkeit

Als wir noch klein waren, hat mein Opa mal mit uns gemalt. Alle fünf Ekel und Enkelinnen saßen mit ihm auf seiner Terrasse und er hat uns beigebracht wie man Aquarell malt. Ganz einfach mit Wasserfarben, Pinsel und normalem Papier. Es war ja ein Ausprobieren, ein Austesten. Das geht auch ohne Profimaterial. Dabei hat er uns angehalten den Deckel des Farbkastens immer sauber zu halten, damit man dort die Farben mischen kann. Ich habe immer schon gerne gemalt mit allen möglichen Farben, auch mit dem Farbkasten und bei mir ist der Deckel nie sauber. Damals nicht, und auch heute nicht. Ich hoffe, mein Opa verzeiht es mir. Er war sehr kreativ und hat immer gemalt. In Öl, in Aquarell und auch auf Möbel. Die Bauernmalerei hat ihn eine ganze Weile beschäftigt und im Haus meiner Oma gibt es einige Schränke, die er bemalt hat. Einen davon habe ich heute in meinem Atelier. Dieses Atelier ist eigentlich ein normales Büro. Aber Atelier klingt doch kreativer, oder? Außerdem ist es dann doch nicht so ein ganz normales Büro. Dieses Atelier war das alte Atelier meines Opas, als er dann aber krank war und schließlich gestorben ist, war es eher Abstellkammer für alles, was irgendwie da war und noch nicht weg musste.

Warum ist es heute mein Atelier? Und wie kam es dazu? Und wie habe ich es eingerichtet? Das möchte ich heute erzählen.

In Freiburg und Nordnorwegen habe ich Kunstgeschichte studiert und dann mein Studium in Freiburg 2009 mit dem Magister abgeschlossen. Seit 2012 arbeite ich in Konstanz freiberuflich unter anderem als Gästeführerin für verschiedene Anbieter. Anfangs habe das alles von zuhause aus bearbeitet, was auch ganz gut funktionierte. Doch mit der Zeit schlichen sich verschiedene Punkte ein, die mich zunehmend genervt haben.

Ich hatte das Gefühl niemals Pause zu haben oder Feierabend. Wenn der Schreibtisch und der Laptop in Reichweite sind, dann schleichen sich schnell so Gedanken ein wie „ich mach nur noch kurz dies und das fertig…“, „lass mal noch schnell dies und das machen…“ und schwups sind ein paar Stunden rum. Ich liebe meinen Job und mache meine Arbeiten alle gerne, aber es ist nicht wirklich gut, wenn man gar keine Pause macht. Da ich leider kein Arbeitszimmer hatte, wo ich die Tür schließen konnte und damit die Arbeit „ausschließen“ konnte, weil ich in diesem Arbeitszimmer auch bastel und kreativ bin, kam es dann häufiger zu „Spätschichten“. Das Zimmer wurde auch immer voller mit allem Arbeitskram und eignete sich auch nicht wirklich für Gruppenarbeiten.

So kam bei mir schon länger der Gedanke irgendwie das Büro auszugliedern, aber das ist ja nicht die einfachste Idee, wenn man sich die Mietpreise in Konstanz anguckt. Man möchte ja nicht das ganze Geld, das man freiberuflich verdient für die Miete ausgeben. Und außerdem war ich mir nicht sicher, ob ich allein in meinem Büro sitzen wollte. Und das Wort Büro schreckte mich ab. Es klang so unkreativ und so nach Arbeit. Dabei will ich doch, dass mein Job mir Spaß macht. Ich bin mir sicher, dass ich meine diversen Jobs nur gut mache, wenn ich sie gern mache, wenn sie mir Spaß machen und wenn ich sie mit einer gewissen Kreativität verrichten kann.

Eine Freundin von mir, die ihr Volontariat in Ravensburg beendete und wieder nach Konstanz zurück kam, stand vor einem ähnlichen Problem. In der Gegend sind die Stellen für Geisteswissenschaftler nicht gerade reich gesät und sie musste erstmal als Vollzeitfreiberufler starten. Auch bei ihr in der Wohnung ist es mit einem eigenen Arbeitszimmer schwierig.

Während der Umbauphase ist mal die Heizung ausgefallen. Eisblumen sind auch Blumen, oder?!

Und irgendwann kam mir die Idee, dass wir doch das Atelier meines Opas umgestalten könnten. Meine Oma war zum Glück einverstanden und so konnten wir loslegen. Gegen eine moderate Miete des Raumes können wir dort nun unsere freiberuflichen Tätigkeiten planen, aushecken und umsetzen. Derzeit ist noch volle Gästeführersaison, daher sind wir nicht regelmäßig dort, aber über den Winter werden wir wieder häufiger dort arbeiten.

Ich finde diese beiden Sprüche ganz wunderbar und möchte sie als eine Art „Lebensmotto“ ansehen, auch wenn es mir nicht immer gelingt danach zu leben. Vor allem was den zweiten Spruch angeht. Aber ich arbeite daran.

Erstmal mussten wir den Raum ausräumen. Das meiste landete beim Fairkauf oder auf dem Müll, wenn man es gar nicht mehr verwenden konnte. Mehrere Schränke blieben aber erstmal drin. Die große Schrankwand haben wir ein bisschen aufgehübscht und sie dient jetzt als Vorrats- und Bibliotheksschrank. Den alten Bauernmalereischrank hätten wir entfernen können, meinte meine Oma. Aber das wollte ich nicht. Er stand schon immer da und gehört zum Raum. Er musste bleiben und ist heute unser Materialschrank. Den Rest haben wir mit Ikea-Regalen gefüllt, die unter die Dachschrägen passen. Die beiden Schreibtische und ein großer Tisch in der Mitte, unser „Konferenztisch“, hatten wir schon. So ist ein gemütliches, kreatives Atelier entstanden. Den alten Holzboden haben wir weiß gestrichen und die alten Brauereilampen weiß lackiert, sodass der Raum etwas heller wird, er hat nämlich nur drei kleine Fenster. Eine kleine Kaffeeecke rundet das Bild ab.

Unsere kleine Kaffeeecke

Und mit Ausstellungsplakaten, Postkarten mit besonderen Sprüchen und weiteren Kleinigkeiten haben wir unser Atelier dekoriert.

 



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