Theater: Konstanz am Meer- ein Himmelstheater

Ich war ja gespannt wie ein Flitzebogen auf das Stück Konstanz am Meer – ein Himmelstheater, das den Abschluss meines diesjährigen Theater-Abos bildete. So viel war im Vorfeld geschrieben und diskutiert worden über das Stück, das extra im Rahmen des Konziljubiläums verfasst worden war. Einige Bekannte und Freunde waren schon drin gewesen und die Reaktionen reichten von „total genial“ über „cool, witzig, aber abgedreht“ bis „völliger Blödsinn, ich bin gegangen in der Pause und wär auch schon früher gegangen, wenn es möglich gewesen wäre“. Für mich persönlich war besonders spannend wie die Darstellung von König Sigismund und vor allem seiner Frau Barbara von Cilli ausfallen würde, da ich Barbara in der Stadtführung spiele. Und eins mal vorneweg: die Interpretation war genial 🙂

 

Als Kulisse für das Bühnenbild dient beim Freilichttheater das Konstanzer Münster. Schon vor zwei Jahren hab ich mir da den Glöckner von Notre Dame angeschaut und war ziemlich begeistert. Und auch dieses Mal bildete das Münster einen  angemessen Hintergrund. Das Bühnenbild selbst war recht schlicht und aus grobem Holz gezimmert (ich kann euch natürlich keine Fotos zeigen. Das ist wie im Kino, man darf nicht fotografieren. Aber guckt auf der Seite vom Theater). Dargestellt war die Kneipe der Martha Häfelin, in der das meiste des Stücks spielte. Gezeigt wurden die Ebenen der einfachen Leute in der Kneipe, ihre Hoffnungen und Ängste, die sie mit dem Konzil verbinden, und die offizielle Konzilsebene mit König und Papst. Großartig fand ich die Interpretation von König Sigismund als Mischung aus Cruella de Ville und Dracula mit einem Pelzmantelungetüm, das gleichzeitig auch noch als Kuscheltier diente. Im ersten Moment fand ich es seltsam, dass die Königin Hosen trägt, aber das sollte wohl zeigen, wer in der Ehe die Hosen anhatte, schließlich finanzierte sie die meisten Unternehmungen des Königs. Grandios spielten die Autoren mit den Klischees und Verleumdungen, die es über das Paar gibt. Auch der Papst als Figur, die überhaupt keine Ahnung von seinem Amt hat und unter ziemlich fragwürdigen Vorzeichen plötzlich der dritte Papst der Zeit wurde, war eindrücklich gezeigt worden. Eine schöne Idee ist es die Zuschauer nach der Pause auf eine besondere Weise auf ihre Plätze zurückzuführen und sie somit in das Spiel miteinzubauen als Zuschauer bei einem besonderen Ereignis (mehr kann ich euch nicht sagen, falls noch jemand reingehen will). 
Insgesamt find ich das Stück gut gemacht und kann jedem in Konstanz nur empfehlen es sich anzuschauen. Man darf nur nicht erwarten eine Lektion in Konzilsgeschichte zu bekommen, aber wenn man hingeht um sich unterhalten zu lassen, dann wird das Stück sicher gefallen. Und ja, es ist in einer derben Sprache verfasst, aber das Mittelalter besteht eben nicht nur aus Minnesängern, die heute unter Mittelalterbild prägen. Eine Sache hab ich überhaupt nicht verstanden, das war im zweiten Teil der Totentanz. Der gab für mich keinen Sinn, aber vielleicht kann mir das ja irgendwann jemand erklären. Generell ist zu sagen, die erste Hälfte ist wirklich gut und man kann folgen, in der zweiten Hälfte ist die Fantasie der Autoren und des Regisseurs meiner Meinung nach ein bisschen mit ihnen durchgegangen. Da werden Elemente aus der Little Horror Picture Show und dieser Totentanz bemüht, die ich nicht nachvollziehen kann. Außerdem denke ich, dass es in der zweiten Hälfte vonnöten ist, dass man von der Konzilsgeschichte Ahnung hat, damit man noch mitkommt und weiß worauf angespielt wird. In der der ersten Hälfte ist das nicht unbedingt nötig. Teilweise fand ich es ein bisschen laut, grad in der zweiten Hälfte, weil die Schauspieler häufig schreien (wie machen die das nur, dass sie nicht heiser sind?!) und das dann durch die Mikros noch verstärkt wird. Für Gänsehaut sorgt das Abschlusslied. Einen inhaltlichen Fehler hab ich gefunden, den man hätte vermeiden müssen (oder ich versteh den Witz dahinter nicht): es wird mehrmals vom Papst in Spanien und von dem in Frankreich gesprochen, dabei ist das derselbe. Papst Benedikt XIII. hielt Hof in Avignon und reiste dann nach Spanien, als es in Frankreich zu unsicher wurde, und lebte fortan in der Nähe von Valencia. Aber das das war der einzige inhaltliche Fehler, der mir aufgefallen ist. 
 
Wer noch hingehen möchte, sollte sich beeilen, es wird nur noch diese Woche gespielt und es hat nur noch ein paar Karten. Auf jeden Fall ein Kissen oder ähnliches mitnehmen für die harten Plastikstühle und vielleicht auch eine Regenjacke, nur zur Vorsicht, damit es nicht regnet! 🙂
 
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I was at sunday eve at the theatre in my last play of this season. It´s called „Konstanz am Meer-ein Himmelstheater“ (Constance at the sea – a heaven´s play) and is written for the council jubilee. I was curious about it, because I heard a lot. It was from „it´s totally cool“ to „it´s awful“. I liked it. If you don´t expect a lecture in history, but you accept, that theatre is allowed to play with clishees, it´s really a good play. Because I play the queen Barbara of Cilli in the guided tours I was looking forward to the interpretation of her and her husband King Sigismund and I loved it!


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