So´n Theater: Orpheus in der Unterwelt im Stadttheater Konstanz

Eigentlich sollte der Beitrag ja schon am Montag raus, also quasi direkt nachdem ich am Sonntag im Theater war. Aber technische Probleme meines Computers haben mich zwei Tage ausser Gefecht gesetzt und dann kam eben erst der Monatsrückblick. Daher gibt´s meinen Bericht über die Abo-Theater-Saison-Eröffnung erst heute. Alle Fotos sind vom Theater Konstanz!

TKN_Logo Schiff_groß

Orpheus, ein bekannter Dichter und Sänger, ist verheiratet mit der Nymphe Eurydike, die durch einen von Aristaios verschuldeten Schlangebiss starb, als sie vor ihm floh. Orpheus reist in die Unterwelt, um den Hades, Herr über die Unterwelt, zu bewegen ihm seine Frau zurückzugeben. Hades knüpft die Bedingung an die Erlaubnis, dass sich Orpheus auf dem Weg nach oben nicht umdrehen dürfe. Als er jedoch die Schritte seiner Frau nicht hört, dreht er sich doch um und Eurydike verschwindet für immer in der Unterwelt. Soweit der Mythos.

Orpheus_3786_Presse
Orpheus in der Unterwelt / Theater Konstanz/ Fotograf: Ilja Mess

Die Geschichte, die grade im Stadttheater Konstanz mit dem Stück „Orpheus in der Unterwelt“ erzählt wird, klingt ein klein bisschen anders und ist superlustig: In der Ehe von Orpheus (Ingo Biermann) und Eurydike (Natalie Hünig) ist die Luft raus, sie streiten sich dauernd und jeder hat so seine Affären. Er mit seinen Geigenschülerinnen, sie mit dem Schäfer Aristeus (Julian Härtner). Nach einem handfesten Ehekrach beschließen die beiden sich scheiden zu lassen, doch da kommt die öffentliche Meinung (Odo Jergitsch) ist Spiel, die beschließt, dass der Mythos „Orpheus und Eurydike“, ein Sinnbild für Liebe und Treue, nach so vielen Jahrhunderten nicht beendet sein dürfe. Die Meinung zettelt eine Intrige an und möchte Aristeus mit Hilfe eines Schlangenbisses umbringen, doch Aristeus, der eigentlich Pluto ist, durchschaut das Spiel und erkennt die Chance, Eurydike durch den Schlangenbiss in seine Unterwelt zu holen.

Orpheus_5226_Presse
Orpheus in der Unterwelt / Theater Konstanz / Fotograf: Ilja Mess

Eurydike stirbt, geht mit Pluto in die Unterwelt und alle sind happy. Außer der öffentlichen Meinung. Die überreden Orpheus, der so gar kein trauernder Witwer ist, bei Göttervater Jupiter (Thomas Fritz Jung), genannt „Jup“, Einspruch einzulegen. Jupiter hat aber grad mal wieder – aufgrund seiner zahlreichen außerehelichen Spielchen – Ärger mit Ehefrau Juno (Sarah Sanders), die sofort davon ausgeht, dass er Eurydike entführt hat. Jupiter zitiert seinen Halbbruder Pluto in den Olymp und fordert Aufklärung. Pluto, der Eurydike nicht an Jupiter verlieren will, versucht sich rauszureden, und so beschließt Jupiter einen Betriebsausflug der Götter in die Hölle. Dort entdeckt er Eurydike und will sie für sich. Schließlich kommt das ganze Kuddelmuddel ans Tageslicht und Juno, Diana (Lena Vogt), Venus (Laura Lippmann) und Amor (Arlen Konietz) greifen ein. Jupiters Urteil folgt.

Orpheus_4681_Presse
Orpheus in der Unterwelt / Theater Konstanz / Fotograf: Ilja Mess

Das Ensemble zeigt eine spritzige, witzige Show, die eine bunte Mischung aus Operette, Musical und Kabaret ist und bei der kein Auge trocken bleibt. Die Götter haben alle ihre eigenen Problemchen und nichts ist wie es in der Originalsage war, aber das ist gut so. Denn das Stück ist eine „ziemlich freie Bearbeitung“ (so die Beschreibung) von Thomas Pigor, dem es gelingt, dass das Publikum mehrmals herzlich lachen muss. Als kleiner Mythologie-Pedant hab ich nur den Kritikpunkt, dass man hier die römischen und griechischen Götter munter durcheinander geworfen hat, obwohl „Orpheus und Eurydike“ eine griechische Sage ist. Gefallen hat mir, dass man auch auf aktuelle Geschehnisse Bezug genommen hat, z. B. die VW-Abgas-Affäre und den Streit des Intendanten mit dem Kulturbürgermeister. Wobei letzteres für mich ein bisschen plump ins Stück eingebaut war.

Orpheus_3835_Presse
Orpheus in der Unterwelt / Theater Konstanz / Fotograf: Ilja Mess

Das Bühnenbild war großartig und eines Musicals würdig, mit mehreren Hebebühnen für die verschiedenen Handlungsebenen. Dass das Orchester ebenfalls auf der Bühne war, fand ich toll, denn die Musiker sind ein wichtiger Teil dieser Inszenierung und es wäre sehr schade gewesen, wenn man sie irgendwo versteckt hätte.
Wer also einen unterhaltsamen Abend erleben möchte, der sollte sich „Orpheus in der Unterwelt“ unbedingt anschauen. Das Stück war ein toller Auftakt, hat aber die Messlatte für diese Saison ganz schön hoch gelegt. Ich freu mich schon auf die nächsten Abo-Stücke und muss schnell noch ein paar Karten für Außer-Abo-Stücke organisieren.

Und liebes Stadttheater, bitte mehr von solchen tollen Stücken!

 

Fotos: Ilja Mess für Theater Konstanz

—————-

In the theater of Constance they play this season „Orpheus in the underworld“. They put on stage a mixture of musical, cabaret and operette with a lot of gods with problems. Jupiter decides to make a firm´s outing into underworld to make sure, that Pluto, his half-brother, didn´t kidnapped Eurydike. But her husband Orpheus is not very sad about the fact that Eurydike is the mistress of Pluto and now dead, because their marriage gone bad. It´s a very funny play with a great stage set and live orchestra.



Kommentar verfassen