Der Bär, der nicht da war im Theater Konstanz

Wer bin ich? Und bist du ich? Mit diesen doch recht philosophischen Fragen beschäftigt sich das Stück „Der Bär, der nicht da war“ im Theater Konstanz. Ich war sehr gespannt darauf wie diese doch komplexe Frage für kleine Kinder – die Altersempfehlung liegt bei 3+ – auf die Bühne gebracht wurde.

Ein Ranger („So was wie ein Förster, nur cooler“; Jonas Pätzold) nimmt die kleinen und großen Zuschauer mit in den Wald und stellt verschiedene Waldbewohner vor. Plötzlich ist er sich ganz sicher, einen Bären gehört zu haben und wagt sich in den Wald hinein – nur kommt er leider nicht wieder. Was den anwesenden Feuerwehrmann (Georg Mehlich) auf den Plan ruft. Doch weder seine Zentrale noch die Kinder können ihm genau sagen wie es weitergeht, bis sich plötzlich ein Juckreiz am Baum kratzt und zu einem Bären (Jonas Pätzold) wird. Auf seiner Suche nach sich selbst und den Fragen, ob er ein netter, glücklicher und hübscher Bär sei (was die Kinder sofort mit „ja“ beantworten), begegnet er weiteren Tieren, die ihn unterstützen. Schließlich nimmt er das Schildkröten-Taxi nach „Geradeaus“. Der Bär lernt die verschiedenen Arten von Stille kennen, dass „langsam“ eine durchaus akzeptierte Fortbewegungsart ist und dass unter dem einen Baum 38 Blumen wachsen. Für mich als Mensch mit Dyskalkulie war die Zählweise des Bären großartig und durchaus nachvollziehbar, denn sie sind schöner als sie 38 sind.
Schließlich taucht der Ranger aus den Tiefen des Waldes wieder auf und berichtet traurig, dass er den Bär leider nicht gesehen hat. Die Kinder berichten ihm dann aber aufgeregt, dass sie ihn gesehen haben, den Bären, der nicht da war.

Das Stück stammt vom israelischen Autoren Oren Lavie und wurde von Harry Rowohlt ins deutsche übersetzt. Das Theater Konstanz hat eine liebevolle Umsetzung des Themas geschafft, das die Kinder sofort mit in die Geschichte hineingezogen hat. Und auch die Erwachsenen konnten sich dem Zauber der Geschichte nicht entziehen. Das zauberhafte Bühnenbild bildet einen wunderbaren Rahmen für diese Geschichte. Beeindruckend finde ich bei diesen Theaterstücken immer wieder die Wandlungsfähigkeit der Schauspieler, die in verschiedene Rollen steigen und sich durch die Zwischenrufe der Kinder nicht aus dem Konzept bringen lassen. Ich würde mich vermutlich zwischendurch kaputt lachen.

Alle Fotos: Theater Konstanz; Fotograf: Ilja Mess



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