Volkskundemuseum Stein in der Schweiz – Selberkäsen und weben

Ich habe eine Entscheidung getroffen. Das ist an sich nichts ungewöhnliches, man trifft ja dauernd Entscheidungen. Meine betrifft den Blog, den ich mal wieder ein klein bisschen verändern möchte. Den Blog begonnen habe ich damals, weil ich gern gelesen habe und über Bücher reden wollte. Ich lese immer noch gern und ich rede auch immer noch über Bücher und gute Geschichten. Aber in letzter Zeit habe ich gemerkt, dass mich das Schreiben über Bücher und Geschichten beim Lesen unter Druck setzt. Ich hatte das Gefühl ich müsste beim Lesen mir zig Sachen merken, um später eine Rezension schreiben zu können. Das möchte ich nicht mehr. Ab sofort wird wieder gelesen, weil es Spaß macht. Keine Sorge, es wird trotzdem noch Rezensionen geben, aber nicht mehr zu jedem Buch, das ich lese. Vorbereitete Posts veröffentliche ich natürlich noch, auch die Bücher, deren Rezensionen ich den jeweiligen Autoren versprochen habe.

Außerdem möchte ich mehr über Kunst und Kultur schreiben. Ich bin Kunsthistorikerin und arbeite unter anderem als Kulturvermittlerin, daher möchte ich Kunst, Kultur und Geschichte mehr in diesen Blog einbinden. Das bedeutete auch, dass es vielleicht nicht regelmäßig Beiträge gibt, je nachdem was ich so unternehme. Das war also die Entscheidung, die ich für den Blog getroffen habe. Mehr Kunst und Kultur, weniger Rezensionen. Und gleich geht´s auch los mit einem Beitrag über meinen Besuch im Museum Stein.

 

Ich war letzte Woche im Museum Stein in der Schweiz. In diesem Volkskundemuseum in Appenzell Ausserrhoden erfährt man Vielfältiges und Wissenswertes übers Weben, Sticken und übers Käsen (und noch viel mehr, aber wir waren nur 2 Stunden dort). Das Museum wurde 1987 eröffnet und befindet sich mitten in dem kleinen Ort Stein in einem modernen Gebäude. Der Platz vor dem Museum ist einladend angelegt und die Mitarbeiter zuckersüß, freundlich und hilfsbereit. Der Eintritt beträgt 7 CHF, bei einer Gruppe ab 10 Personen 6CHF. Das Museum präsentiert die bäuerliche Kultur und auch das Weben, Sticken und Bauernmalerei.

Beim Rundgang durchs Museum und natürlich auch bei den geführten Rundgängen kann man sich über die Heimweberei und Heimstickerei informieren, die die wirtschaftliche Grundlage für Ausserrhoden darstellte. Viele Webstühle und Stickwebstühle kann man sehen. Einer der letzten Plattstichwebstühle Europas, die noch funktionieren, kann man dort sehen. Dieser wird einem auch vorgeführt.

In einer nachgebauten Alphütte wird täglich Käse hergestellt. Dabei kann man helfen und zugucken. Währenddessen kann man – quasi nebenher – über die Käseherstellung so einiges Spannendes erfahren. Zum Beispiel, dass man für den Appenzeller Käse einen Kupferkessel braucht. Der war aber aus Hygienegründen lange verboten, vor einigen Jahren haben aber die großen Käsereien ihre Edelstahlkessel wieder mit Kupfer auslegen lassen (in der Schaukäserei neben dem Museum kann man übrigens im Käseladen Käse kaufen und auch Mittagessen). Oder dass durch das Direktmelken wertvolle Bakterien verloren gehen, die für die Löcher im Käse verantwortlich sind. Früher kamen diese Bakterien durch das Melken mit der Hand in den Käse.

Man darf umrühren und helfen den Käse aus dem Kessel zu heben. Dieser wird dann in kleine Plastikdosen gepresst (Handarbeit!) und schließlich nach mehrfachem Umdrehen im Reifekeller abgelegt, wo die „Mutschli“ (die Käseleibe) ausreifen. Man kann den Käse auch kaufen, wenn man das Käsen als Gruppe bucht, wird einem der Käse später zugeschickt. Ist das nicht cool?

Ein Ausflug ins Museum Stein lohnt sich auf jeden Fall. Es gibt allerdings soviel zu entdecken, dass man ein bisschen Zeit mitbringen sollte. Die zwei Stunden, die wir nur zur Verfügung hatten, waren zu wenig. Das Museum ist auch eine super Adresse für Familien mit Kindern, denn in allen Bereichen können Kinder etwas entdecken und anfassen.

Zurzeit ist im Eingangsbereich des Museums eine Sonderausstellung mit dem Titel „Iigfädlet – Fergger gesucht – Berufe in der Textilindustrie“ zusehen, die wiederum Teil des Anlasses „Iigfädlet – Ostschweizer Textilgeschichten“ ist. Hierbei sind in acht Museen in Ausserrhoden und im Kanton St. Gallen Teilausstellungen zu sehen. In dem Teil in Stein geht es um die verschiedenen Berufe, die für die Textilherstellung so notwendig waren: Andreher, Büglerin, Fergger, Fluderstickerin und viele mehr. Was die genau gemacht haben? Tja, fahrt hin und guckt es euch an. Mit vielen Objekten und Stellenanzeigen aus alten Zeitungen, mit alten Fotos und ganz viel Liebe werden die verschiedenen Textilberufe vorgestellt und so lernt man durch wie viele Hände früher Stoffe gingen, bevor die Industrialisierung das auf wenige Maschinen verkürzt und so viele Leute arbeitslos machte.

Das ganze Museum ist wirklich ein Besuch wert. Hier gibt´s alle Infos des Museums: Volkskundemuseum Stein. 



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