{Lesung} Arne Rautenberg im Rahmen von „Minne meets poetry“

Gedichte. Die einen lieben sie, die anderen hassen sie. Viele denken wohl eher mit gemischten Gefühlen an die Gedichtinterpretationen des Deutschunterrichts zurück. Ich selbst lese eher selten Gedichte, habe aber an meine Gedichtinterpretationen gute Erinnerungen. Irgendwie ist es mir immer gelungen sie auf eine Art und Weise zu interpretieren, dass ich auch eine ganz gute Note bekommen habe. Ich musste eher immer aufpassen, dass meine Fantasie nicht mit mir durchgeht und ich zu viel reininterpretiere. Aber sind wird ehrlich, Gedichte gehören nicht unbedingt zur Standard-Freizeitlektüre, vor allem wohl nicht für Kinder. Dass es auch anders geht, zeigen die Gedichte von Arne Rautenberg. Der bekannte Lyriker aus Kiel möchte Kindern den oft großen Respekt vor Gedichten nehmen und zeigt mit seinen Werken, dass sie auch Spaß machen können. Und dass das Spiel mit Sprache und Wörtern Freude bereiten kann und man ganz großartig fantasievoll mit Sprache umgehen kann. Unsinn, Reimen, freie Assoziationen, all das findet man in seinen Gedichten. Er sorgt mit Lautmalerei, manchmal nachdenklichen, manchmal urkomischen Geschichten für Freude und Spaß am Entdecken und Um-die-Ecke-denken, eine Disziplin, die Kinder ganz hervorragend beherrschen, wie sich am 10. März im Richental-Saal des Kulturzentrums am Münster in Konstanz zeigte.

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Große und kleine Zuhörer lauschten Rautenbergs Erzählungen aus dem Alltag, von seiner Ideen-Findung und natürlich seinen beeindruckend vorgetragenen Gedichten. In seine Lesung bezog er die Zuhörer mit Fragen direkt ein. So erfuhren die Kinder, dass er immer mit Notizbuch und Füller unterwegs ist, sein Laptop ein „Büro für unterwegs“ ist, mit dem er im Zug arbeiten kann und dass seine beiden Kinder Quell für Inspiration und neue Gedichte sind. Sein Sohn hat ihn zum Beispiel zum „Montags ist Mützenfalschrumtag“ inspiriert, während seine Tochter Gedichte über ihr Lieblingstier Walross haben wollte.
Die Weisheit von Kindern (in dem Fall die Erklärung seiner Tochter) verarbeitete er zum Beispiel in einem Gedicht, in dem es darum geht, warum gute Träume eigentlich schlechte Träume und schlechte Träume eigentlich gute Träume sind.

Dem neugierigen Publikum erklärte Rautenberg, dass er ungefähr 100 Gedichte schreiben muss, um ca. 50 gute rauszubekommen, die dann an den Verlag gehen und mit witzigen, liebevollen Zeichnungen versehen zu einem Buch werden. Und dass er an jedem Buch nur 1€ verdient. Zusätzliche Einnahmequellen sind natürlich auch Lesungen und Vorträge, von denen er ca. 90 im Jahr hält.

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Mit Unterstützung eines Reimlexikons kam es zu einem kurzen „Impro-Dichten“ auf der Bühne, als er auf den Zuruf „Pferd“ aus dem Publikum mit Wörtern aus dem Reimlexikon die ersten Zeilen eines Gedichts um ein Pferd namens Kunibert entwarf. Ein Gedicht muss sich jedoch nicht immer reimen, nein, es muss nicht einmal aus richtigen Wörtern bestehen. Man darf kreativ sein und mit Sprache kreativ umgehen, das beweist er in einem Lautgedicht über die Sprache der Raben. Auch im Alltag gibt es immer wieder Anregungen für Gedichte, so eine Mutter, die am Strand von Kiel neben ihm mit ihren drei Kindern schimpft.

Ein Rätselgedicht führt er direkt auf der Bühne mit den Kindern auf. Ihm ist nämlich aufgefallen, dass viele Wörter im Deutschen auf „-ber“ enden. Und das klingt doch fast wir „Bär“. Und schon ist dem Erfindungsreichtum der Kinder freier Raum gegeben. „Welcher Bär bedient gerne andere?“, „Der Obär!“. „Welcher Bär hat Angst auf die Bühne zu gehen?“, „Der Lampenfiebär“. „Welcher Bär ist ein Schwein und trotzdem nicht dreckig?“, „Der Saubär“. „Welcher Bär muss sich immer als besonders toll hinstellen?“, „Der Angebär“. Und so weiter…

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Arne Rautenberg berichtet witzig und offen von seiner Arbeit, bezieht die Anwesenden mit in seine Lesung ein und sorgt so für einen direkten und einfachen Zugang zu Gedichten, zu Lyrik, zum kreativen Umgang mit Sprache. Wenn ihr die Chance habt eine seiner Lesungen zu besuchen, dann nix wie hin! Es lohnt sich!

Die Lesung fand im Rahmen der Veranstaltung „Minne meets poetry“ des Kulturamts Konstanz und der Konzilstadt Konstanz statt.

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