Die Sonnenmonstranz in der Dreifaltigkeitskirche in Konstanz

Mitten in der Konstanzer Fußgängerzone steht die ehemalige Augustinerklosterkirche, heute Dreifaltigkeitskirche. Meistens hetzen die Leute dran vorbei, die glatte, schmucklose Fassade verbirgt heute eine spannende Ausstattung: die mittelalterlichen Konzilsfresken, eine Barockisierung, Altäre. Aber auch einen Kirchenschatz, der zumindest in Teilen noch vorhanden ist. 

Der Kirchenschatz der Dreifaltigkeitskirche ist nicht frei zugänglich, sondern nur mit Führungen zu besichtigen. 

Unter den wenigen Stücken, die noch vorhanden sind, ragt die sogenannte Sonnenmonstranz auf jeden Fall hervor. Und die möchte ich euch heute ein bisschen näher vorstellen. 

Was ist eigentlich eine Monstranz?

Das Wort „Monstranz“ stammt vom lateinischen Wort „monstrare“ ab, das soviel wie „zeigen“ heißt. Eine Monstranz ist also – grob gesagt – ein Zeigegerät, das vor allem in der katholischen Kirche verwendet wird. 

Bei bestimmten Festtagen wird in der Monstranz die konsekrierte Hostie gezeigt und aufbewahrt. Das geweihte Brot wird in der Monstranz von einem halbmondförmigen Ständer getragen, der „Lunula“ heißt. Ein Glaszylinder oder zwei Glasscheiben schützen die Hostie.

Da sie zur Aufbewahrung des Allerheiligsten dient, sind Monstranzen in der Regel sehr prachtvoll ausgestattet. Um das zentral angelegte Gefäßteil, in dem die Hostie gezeigt wird, bauen sich die Goldschmiedearbeiten auf. Dieser Körper wird von einem Fuß getragen, mit dem man die Monstranz auf dem Altar aufstellen kann. 

Besonders in der Gegenreformation wurden Monstranzen von den Katholiken gestiftet, weil sie als typisch katholisches Gerät angesehen wurden. 

Die Monstranz in der Dreifaltigkeitskirche

Die Sonnenmonstranz wurde 1695 gefertigt und wird „Sonnenmonstranz“ genannt, weil sich um das Zentrum ein Kranz mit gewellten Sonnenstrahlen ausbreitet.  

Das kleine Sichtfeld, in dem sich die Lunula mit der Hostie befindet, hat die Form eines Herzen. Um dieses breitet sich ein filigranes Flechtwerk aus Ranken aus, das insgesamt wie ein großer Tropfen wirkt. In diesem Rankenwerk sind kleinere Edelsteine eingefasst in Rot-, Blau- und Grüntönen. Außerdem kann man im scheinbaren Wirrwarr der Ranken Traubenrispen sehen. Diese deuten auf den Wein hin, sodass mit der Hostie in der Lunula sowohl Brot und Wein bzw. Leib und Blut Christi in der Hostie verankert sind.

Hinter dem Geflecht erscheint dann der Kranz mit den Sonnenstrahlen. Auf der Spitze des Tropfens thront ein Kreuz mit lilienförmigen Enden. Auch hier sind die Enden jeweils mit einem Edelstein besetzt. Am Kreuzfuß sind die drei Edelsteine in einer Blütenfassung angebracht. 

Im Rankenwerk um das Sichtfenster herum wurden vollplastische Figuren eingefügt. 

Direkt unter dem aufgesetzten Kreuz fliegt die Taube des Heiligen Geistes. Sie ist mit ausgebreiteten Flügeln und erhobenem Kopf wiedergegeben, sodass man einerseits den Bauch der Taube sieht, aber andererseits versteht, dass sie hochfliegt. 

Darunter schwebt Gottvater mit der Weltkugel in seiner linken Hand. Die rechte Hand hat er zum Segen erhoben. 

Durch die vertikale Anordnung von Taube, Gottvater und dem Fensterchen, in dem die Hostie zu sehen ist, ist eine Dreifaltigkeitsdarstellung gegeben, die auf das Patronat der Kirche hinweist.

Vom Betrachter aus gesehen auf der linken Seite des Sichtfeldes steht der hl Augustinus von Hippo. Er ist als Bischof mit Mitra und Krummstab gezeigt. Zu seinen Füßen hockt ein kleines Kind mit einer Wasserschöpfschale. Dies ist neben Schreibfeder und flammendem Herzen eines seiner Attribute, und an der Sonnenkranzmonstranz als einziges Attribut angebracht. Der Heilige ist einer der Kirchenlehrer der katholischen Kirche. Das Kloster, von dem heute nur noch die Dreifaltigkeitskirche steht, war ein Augustinuskloster. 

Auf der anderen Seite des Fensterchens ist der hl. Thomas von Villanova zu sehen. Auch er ist als Bischof mit Krummstab und Mitra wiedergegeben. Hinter seiner Mitra taucht ein Nimbus aus Sonnenstrahlen auf. Auch zu seinen Füßen sitzt eine Figur. Hierbei handelt es sich jedoch um einen Erwachsenen. Dieser hält die Hand nach oben geöffnet, so als bitte er um Almosen. Häufig wird der hl. Thomas von Villanova almosengebend dargestellt. Auch Thomas von Villanova gehörte zum Augustinerorden, in den er im 16. Jh. eintrat. 

Zwischen Monstranzfuß, der mit Engelsköpfen verziert ist, und dem Fensterchen befindet sich eine weitere vollplastische Figur: die hl. Monika. Sie ist als Nonne im Habit dargestellt, hinter ihrem Kopf befindet sich ebenfalls ein Sonnenstrahl-Nimbus. Spannend ist die Tafel, die sie in der rechten Hand hält. Eigentlich sind die Attribute der Monika der Schleier (vorhanden), Krug, Buch, Rosenkranz. Hier hält sie aber eine Schrifttafel, die erst auf den zweiten Blick preisgibt, wie die Verbindung zustandekommt. Auf dieser Tafel ist eine Figur mit Kreuz, die Abkürzung „IHS“ für Jesus und ein flammendes Herz zu sehen. Alles umgeben von einer Strahlenkranzmandorla. Durch das flammende Herz ist eine Verbindung zum hl. Augustinus hergestellt, dessen Attribut das flammende Herz ist. Die hl. Monika ist die Mutter vom hl. Augustinus und eine der Heiligen des Ordens. Durch Kreuz und „IHS“ ist auf ihre Frömmigkeit und Gläubigkeit verwiesen, durch die sie den hl. Augustinus geprägt hat. 

Alle diese Teile und Verbindungen lassen erkennen, dass die Monstranz für die Dreifaltigkeitskirche und das ehemalige Augustinerkloster Konstanz geschaffen wurde. 

Goldschmiedekünstler

Das Stück ist 106,4 cm hoch und wurde vom Augsburger Meister Joachim Lutz gefertigt. Zum damaligen Zeitpunkt war die einst reiche Goldschmiedeproduktion in Konstanz fast vollständig zum Erliegen gekommen. In der Reformationszeit waren die meist geistlichen Auftraggeber abgewandert, sodass auch die Künstler sich neue Betätigungsstätten in katholischeren Gebieten suchten. In der Gegenreformation waren die Goldschmiedezentren Augsburg und Überlingen.